Thomas Bernhards Heldenplatz im Spiegel der Presse
Politikerzitate (15)

"Wochenpresse"
Franz Vranitzky: "Das Prinzip Freiheit der Kunst ist bewußt mit Risiken verbunden. Man kann es nicht nach dem Alter einer Institution oder deren Finanzierung zergliedern. Manche Leute können mich nicht beleidigen."

Alois Mock: "Jeder soll schreiben, was er will. Aber ich finde es unakzeptabel, diese Aufführung mit Steuergeld zu subventionieren. Die Österreicher wissen ganz genau, daß sie Fehler begangen haben - wie andere auch. Wir müssen uns deshalb aber nicht von jemandem beschimpfen lassen, der aus dem Steuergeld seinen persönlichen Gewinn erzielt. Wenn man die Österreicher fragte, ob dieses Stück aufgeführt werden sollte, wäre der überwiegende Teil dagegen."

Bruno Kreisky: "Ich finde es unbegreiflich, daß bisher niemand gebührend geantwortet hat. Schau´n Sie, der Thomas Bernhard soll schreiben, was er will. Aber das darf man nicht mit nobler Verachtung zur Kenntnis nehmen. Auf einen groben Klotz gehört eben ein grober Keil."

Hilde Hawlicek: "Gerade in umstrittenen Fällen zeigt es sich, ob man es mit der Freiheit der Kunst ernst nimmt. Und genau das geht nicht, daß man ein Stück absetzt, weil man sich nicht damit identifiziert. Der Minister ist nicht der oberste Kunstrichter. Er bestimmt beim Theater nur den Direktor und dann hört sein Einfluß auf."

Kurt Krenn: "Die Kunst soll frei sein. Indem sich etwas frei gebärdet, ist es aber noch nicht Kunst."

Jörg Haider: "Hinaus mit diesem Schuft aus Wien! Die Burg wird unter Hawlicek zu einem Narrenturm und einer Spielwiese für Egozentriker."

Kurt Waldheim: "Die Freiheit der Literatur und Kunst ist eine der großen Errungenschaften der Demokratie. Wenn diese Freiheit jedoch in einer Art und Weise mißbraucht wird wie in dem Stück "Heldenplatz", dann ist das Burgtheater nicht die Bühne für eine solche Aufführung. Ich halte dieses Stück für eine grobe Beleidigung des österreichischen Volkes und lehne es daher ab."
Zu den Pressereaktionen auf "Heldenplatz"

(15) Aus: Montecuccoli Martina, "Freiheit der Kunst ja, aber ...", Wien, Univ., Dipl-Arb., 1992, S. 27



Werbung: